Der Retro Arcade-Stick von 8BitDo im Test

Der Retro Arcade-Stick von 8BitDo im Test

In der Retro-Games Community genie√üt die Firma 8BitDo einen sehr guten Ruf - insbesondere f√ľr die qualitativ hochwertigen Nachbauten von alten Game-Controllern f√ľr aktuelle Systeme. Sie haben aber auch einen vollwertigen Arcade-Controller im Angebot. Diesen habe ich mir genauer angeschaut.

Der Arcade-Controller kommt bei mir als Controller f√ľr eine Raspberry Pi 4 basierte Retro-Konsole am Fernseher zum Einsatz - wenn der TV durch die Familie belegt ist, aber auch gerne mal am PC, um dort mit RetroArch eine paar Klassiker zu zocken.

Der erste Eindruck

Ich habe den Arcade-Stick direkt bei Amazon bestellt* - die Lieferung erfolge in einem praktischen Papp-Koffer, der den Stick gut sch√ľtzt und auch f√ľr einen sp√§teren Transport gut geeignet ist. Zum Lieferunfang geh√∂rt der Controller selbst, der 2,4 Ghz Empf√§nger, eine Kurzanleitung und ein ca. 3 Meter langes USB-Kabel.

Der Controller ist in einer klassischen rot/grauen NES Farbgebung gehalten und er bietet neben den 8 Tasten (A, B, X, Y, LT, RT, LB, RB) und dem Joystick noch zwei Tasten (P1/P2), die nur √ľber die Controller-Software belegt werden k√∂nnen. Es handelt sich hierbei um reine Makro-Tasten, die mehr wegen der Optik mit P1/P2 beschriftet sind.

Jeweils neben den acht Tastern leuchtet die Belegung des aktuell gew√§hlten Controllers auf, also etwa X, Y, A, B f√ľr einen X-Box-Controller und Y, X, B, A, wenn auf den Switch-Controller umgestellt wird.

Zun√§chst seltsam mutet an, dass die Schulter Tasten vertauscht sind - also erst kommen die rechten und dann die linken Tasten. Bei n√§herer Betrachtung wird aber klar, das dies durchaus sinnvoll ist, da bei vielen Spielen nur die rechte Schulter Taste belegt ist, oder dort zumindest die h√§ufiger benutzte Aktion liegt. Damit hat man also keine Leertaste zwischen X/Y und der Schultertaste. Und nat√ľrlich gibt es immer die M√∂glichkeit die Tasten individuell zu belegten, entweder √ľber die 8BitDo-Software oder direkt im Emulator.

Die Bedinelemente des Arcade-Sticks

Zus√§tzlich gibt es noch zwei kleine Drehregler, einer dient als Umschalter zwischen X-Box-Controller, Switch-Controller und Power Off. Der andere schaltet zwischen dem Joystick um, den der Arcade Stick wiedergeben soll, also Digital-Pad, linker Analog-Stick/rechter Analog-Stick. Die drei bunten Tasten daneben sind f√ľr Verbindung herstellen (gr√ľn), Turbo (gelb) und Home (blau). Darunter befinden sich vier kleine LEDs, die blau (Pairing / Status) oder rot (Akkustand) leuchten. Gefolgt werden diese von dem Umschalter zwischen 2,4 GHz und Bluetooth, sowie den beiden Tastern f√ľr Select und Start.

Das Ger√§t f√ľhlt sich sehr wertig an und ist auch schwer genug, um sowohl auf dem Scho√ü als auch auf einem Tisch stabil zu stehen - wobei auch die gro√üen Gummif√ľ√üe ihren Teil zu einem guten Stand beitragen.

Anschlussmöglichkeiten

Der Stick bietet gleich drei unterschiedliche Anschlussm√∂glichkeiten. Einmal direkt als kabelgebundener Controller mit dem beiliegendem sehr langen USB Kabel. Daf√ľr wird die kleine Klappe auf der R√ľckseite ge√∂ffnet und das Kabel eingesteckt. Das Kabel wird geschickterweise durch die Klappe fixiert, so dass ein versehentliches L√∂sen des Anschlusses verhindert wird. Sollte der Zug aber doch zu gro√ü werden, √∂ffnet sich die Klappe, so dass kein Schaden entstehen sollte - hier sieht man die Liebe zum Detail.

Hinter der Klappe verbirgt sich auch der 2,4 GHz Dongle - im 8BitDo typischen Super Mario Steine Look - f√ľr die zweite Verbindungsm√∂glichkeit. Der kleine graue Stecker muss einfach an einen freien USB Port angeschlossen und am Stick muss auf 2,4 umgestellt werden und schon erkennt das System den Joystick, als w√§re es eine Kabelverbindung. Auch hier ist keinerlei Einrichtung notwendig. Das ist f√ľr mich die am h√§ufigsten genutzte Anschlussm√∂glichkeit.

Der Anschluss √ľber Bluetooth ist ebenso m√∂glich - hierf√ľr wird der Schalter auf Bluetooth gestellt und der gr√ľne(!) Knopf muss so lange gedr√ľckt werden, bis die vier blauen LEDs anfangen zu rotieren. In den Einstellungen muss nun wie gewohnt die Kopplung mit einem Bluetooth Ger√§t vorgenommen werden. Dies ist die bevorzuge Wahl f√ľr Systeme ohne freien USB Slot oder auch f√ľr Smartphones oder Tablets - entgegen anders lautender Berichte funktioniert der Stick problemlos an einem Android-Ger√§t.

Die Software

Auf der Webseite von 8BitDo kann zusätzliche Software heruntergeladen werden. Zum Einen gibt es ein Update-Tool, das den Controller mit der aktuellen Firmware ausstattet, zum Anderen ein Konfigurations-Tool, mit dem die einzelnen Knöpfe neu belegt werden können - hier gibt es auch die Möglichkeit Makros zu definieren und die beiden P1/P2-Tasten zu belegen.

Die Software von 8BitDo ist sehr √ľbersichtlich gestaltet

Mit Hilfe der Software können die Tasten umkonfiguriert werden, hierbei gibt es allerdings ein paar Einschränkungen: Es lassen sich nur die 8 normalen und die beiden Makro-Tasten (P1/P2) neu konfigurieren. Und die Tasten lassen sich nur mit den vier Richtungen, den 8 Knöpfen sowie R3/L3 und der Home-Taste belegen.

Mit der Software wird auch eingestellt, welchen Modus die gelbe Turbo-Taste ausl√∂st, wenn sie zusammen mit der Taste gedr√ľckt wird, die angepasst werden soll:

  1. Turbo (default): Die Taste wird auf Dauerfeuer umgestellt.
  2. Hold: Die Taste wird auf Dauerfeuer umgestellt, diese muss im Spiel aber nicht mehr gedr√ľckt werden, um zu feuern.
  3. Swap: Zwei beliebige Tasten k√∂nnen vertauscht werden - besonders praktisch, wenn es im Emulator keine M√∂glichkeit daf√ľr gibt.

Praktischer Einsatz

Beim Spielen mit dem Arcade-Stick reagiert dieser sofort und das feine Klicken der Microschalter erinnert mich an den guten alten Competition-Pro vom C64 oder Amiga. Die Tasten lassen sich sehr leicht bedienen und auch diese reagieren ohne Verzögerungen.

Die Makro-Tasten habe ich mit Marvel vs. Capcom getestet und hier konnte ich zuverl√§ssig Ryus Special-Move, den Hadouken, ausl√∂sen. Will man aber nur mit Makros spielen, so fehlen hier weitere Makro-Tasten. Eine wirklich sinnvolle Nutzung habe ich f√ľr die Makros noch nicht gefunden.

Einziger Nachteil bislang: Die Steuerung bei einigen Spielen, die nur 4 statt 8 Richtungen kennen ist sehr unpr√§zise. Ein einfaches Pac-Man ist mit dem Joystick nicht spielbar - zumindest f√ľr mich. Doch zum Gl√ľck gibt es hierf√ľr Abhilfe. Und damit kommen wir zur Hardware-Erweiterbarkeit des Sticks.

Austausch des Restrictor Gates

Auf der Unterseite eines Joysticks befindet sich das sogenannte Restrictor Gate. Dieses gibt den Rahmen vor, in dem sich der Joystick bewegen kann. Solche Gates gibt es in diversen Ausprägungen, entweder als Quadrat, damit können alle Richtung ohne Einschränkungen genutzt werden, allerdings sind die diagonalen Wege etwas länger - und es gibt kein klares Feedback, wie genau man eine Richtung getroffen hat. Dies ist das Gate, mit dem der Arcade-Stick geliefert wird.

Das Default-Restrictor-Gate des 8BitDo Arcade Sticks

Dann gibt es runde Gates, auch hier gibt es kein klares Feedback √ľber die Richtung, daf√ľr ist die Entfernung in jede Richtung jedoch gleich. F√ľr reine 4-Wege Spiele gibt es Rauten, damit sind diagonale Steuerungen aber unm√∂glich - ideal f√ľr Spiele in Pac-Man, da der Spieler hier wirklich nur die vier Richtungen nutzen kann, aber es gibt ja noch andere Spiele. Und schlie√ülich achteckige Gates, die durch ihre acht Ecken jede der m√∂glichen Richtung klar f√ľhlbar sind aber dennoch gute runde Bewegungen zulassen.

Ich habe mich f√ľr den Einbau eines solchen acheckigen Gates entschieden. Als Ersatz habe ich mir diese Achtkant Restrictor Gates* bei Amazon bestellt - vorsichtshalber habe ich ein 4er Pack genommen, da ich nicht sicher war, wie gut die Teile passen - v√∂llig unbegr√ľndet, wie sich gezeigt hat.

Die vier Austausch Restrictor-Gates

Da der Stick von 8BitDo auch als leicht erweiterbar konzipiert ist, erfolgt der Umbau sehr einfach. Das Geh√§use l√§sst sich leicht mit einem T10er Torx aufschrauben. Dann vorsichtig den Boden abnehmen, hier gibt es ein Kabel zum im Boden verbauten Akku, das wir leicht abziehen k√∂nnen. Dann liegt auch schon die Joystick-Unterseite vor uns. Das Restrictor Gate ist mit vier Plastik-Nasen befestigt. Am Einfachsten l√§sst sich die Platte abl√∂sen, indem wir die vier Nasen vorsichtig nach innen dr√ľcken und die Platte gerade so weit hoch ziehen, dass sie nicht wieder zur√ľck rutschen k√∂nnen, dann kann die Platte in einem Rutsch abgezogen werden. Die neue achteckicke Platte kann nun ganz einfach in den freie geworden Platz gedr√ľckt werden. Und schon sind wir fertig. Jetzt noch das Stromkabel verbinden, den Boden aufsetzen und wieder zuschrauben.

Nach dem Umbau: Das Achtkant-Restrictor-Gate

Im folgenden Spieltest mit Pac-Man lässt sich die kleine gelbe Kugel viel direkter und zuverlässiger steuern - wenn man nun von den Geistern gefressen wird, liegt es definitiv nicht mehr am Joystick.


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