Retro-Handheld RG351m - ein erster Erfahrungsbericht

Retro-Handheld RG351m - ein erster Erfahrungsbericht

Wenn man Retro-Games möglichst authentisch spielen möchte, kommt man um eine Retro-Konsole nicht herum. Gerade die mobilen Konsolen lassen sich besonders gut emulieren und das Angebot an kleinen Handhelds ist sehr groß. Einen davon - den RG351m - habe ich mir nĂ€her angeschaut.

Schon lange beschĂ€ftige ich mich mit alten Spielen auf Retro-Emulatoren, wie zum Beispiel RetroArch. Allerdings ist es nicht das Gleiche, wenn man ein Gameboy-Spiel auf einem 27" Monitor oder gar auf einem Fernseher spielt, anstatt auf einem kleinen Gameboy. Darum habe ich mir jetzt einen kleinen Retro-Handheld zugelegt. Meine Wahl fiel dabei auf den RG351m von Anbernic. Es gibt eine Menge dieser kleinen Retro-Konsolen auf dem Markt und die meisten davon unterscheiden sich nicht sehr in den Spezifikationen. FĂŒr den RG351m habe ich mich aus mehreren GrĂŒnden entschieden:

  • Laut vieler Test ist die VerarbeitungsqualitĂ€t hervorragend
  • Das Display hat das gleiche SeitenverhĂ€ltnis wie der Gameboy Advance (3:2)
  • Er hat eingebautes WLAN, so dass man Updates etc. direkt auf der Konsole machen kann, ohne stĂ€ndig die Speicherkarte in den PC zu schieben.
  • Das Betriebssystem ist Linux-basiert und kann durch freie Varianten ersetzt werden.
  • Es gibt eine aktive Community auf Discord, falls Hilfe benötigt wird.

Eigentlich hÀtte auch der VorgÀnger RG351p gereicht, allerdings gab es hier Probleme mit dem WLAN, so dass diese Option entfernt wurde und erst wieder bei der RG351m-Variante mit an Bord ist. Wobei ich zugeben muss, dass das Metall-GehÀuse die Wertigkeit des GerÀts deutlich erhöht.

Hier nun meine EindrĂŒcke von der Bestellung bis zu den ersten paar Testspielen. Wenn ich mehr Erfahrung gesammelt habe, werde ich entsprechende Artikel dazu veröffentlichen.

Bestellung

Das Problem mit diesen China-GerĂ€ten ist ja immer die Bestellung. Mir war es wichtig in Europa zu bestellen, damit ich keinen Stress mit Zoll und langem Versand habe. In Deutschland habe ich keinen Store gefunden und bin deswegen auf Frankreich ausgewichen. Letzten Endes habe ich dann bei Arcadia Retrogaming bestellt - zum GlĂŒck habe ich ein paar Leute in meinem Umfeld, die gut französisch sprechen, so war die Bestellung kein Problem. Die Lieferung erfolgte innerhalb von 8 Tagen - wobei das Paket 6 Tage durch Frankreich geschickt und dann sehr schnell von Hermes in Deutschland zugestellt worden ist.

Update: Inzwischen wird der RG351m auch bei Amazon* mit Prime Versand angeboten. Gerade falls das GerÀt doch reklamiert werden muss, ist eine Versandabwicklung durch Amazon sehr angenehm.

Zubehör

NatĂŒrlich braucht man neben dem GerĂ€t noch etwas Zubehör, das habe ich lieber direkt bei Amazon bestellt:

  • 128GB SD-Karte* fĂŒr ArkOS - einem der möglichen Alternativ-Betriebssysteme fĂŒr die kleine Konsole.
  • 64GB SD-Karte* als Ersatz fĂŒr die mitgelieferte 64GB Karte - mein Plan ist es, das Original nicht zu nutzen. Zum einen, da ich diesen gĂŒnstigen Karten nicht traue und zum anderen, damit ich den Original-Zustand behalten kann.
  • USB 3.0 SD-Karten-Leser* damit ich schnell die Daten hin und her kopieren kann - gerade bei grĂ¶ĂŸeren Datenmengen sollte das einfacher als der Zugriff ĂŒber WLAN sein.

Bei den Karten habe ich auf ein Modell fĂŒr Dashcams gesetzt. Hiervon verspreche ich mir, dass sie besonders robust sind und auch nicht bei hĂ€ufigem Schreiben schnell kaputt gehen. Ob das die richtige Strategie war, kann ich dann in zwei Jahren sagen.

Vorbereitung ArkOS

Vor der Lieferung des GerĂ€tes habe ich schon mal die 128GB Karte fĂŒr ArkOS vorbereitet. Dazu habe ich mir das aktuelle Archiv geholt, es ausgepackt und mit dem Win32 Disk Imager auf meine neue 128GB SD-Karte geschrieben. Bevor ich die Karte aber richtig nutzen kann, muss sie erst einmal im Handheld gestartet werden, damit die einzelnen Partitionen angepasst werden können. Mehr kann ich also noch nicht vorbereiten.

ArkOS wird auf die SD-Karte geschrieben

Auspacken

Endlich kommt das GerĂ€t sehr gut verpackt an. In der Box befindet sich neben der eigentlichen Konsole noch ein Ladekabel fĂŒr USB-C, eine Kurzanleitung auf Chinesisch und Englisch, Reinigungspads und ein Screen-Protector (den ich aber nicht nutzen werde). Der erste Eindruck ist sehr gut, der RG351m fĂŒhlt sich schwerer an als erwartet, dadurch liegt er aber gut in der Hand. Über dem SD-Card Slot klebt eine Art Garantie-Siegel, das man nur sehr mĂŒhsam abbröseln kann. Ich widerstehe der Versuchung den Handheld sofort anzuschalten und mache erst einmal ein Backup der Original-Firmeware.

Backup Original Speicherkarte

Da ich die Original-Speicherkarte im Lieferzustand behalten möchte, mache ich als erstes eine Kopie. Auch hier kommt wieder der Win32 Disk Imager zum Einsatz. ZunĂ€chst also die SD-Karte in den Reader einlegen und dann im Imager einen Namen fĂŒr das Backup wĂ€hlen. Dann die Karte auslesen und warten, bis der Vorgang abgeschlossen ist. Die Original-Karte entfernen und durch die neue 64GB Karte ersetzen und dort wieder das gerade gelesene Image auswĂ€hlen und auf die neue Karte schreiben.

Von der Kopie sichere ich mir zusĂ€tzlich das gesamte ROMs Verzeichnis inklusive der BIOS-Dateien. Diese werden fĂŒr einige Emulatoren benötigt und diese sind nicht bei den alternativen Betriebssystemen dabei.

Erster Start mit dem Original Betriebssystem

Jetzt starte ich zum ersten Mal den RG351m. Zum Zeichen eines erfolgreichen Starts vibriert der Handheld. Ein sehr ĂŒbersichtliches MenĂŒ erscheint und ich kann zwischen den unterschiedlichen Emulatoren wechseln und bei jedem Emulator durch die mitgelieferten Spiele scrollen. Als erstes starte ich ein GBA Spiel - das Display ist wie erwartet um Klassen besser als mein Original GBA, DS oder auch GBA Mini. Aber auch die Steuerung ist sehr gut, die Knöpfe und das Steuerkreuz fĂŒhlen sich genau richtig an und reagieren sofort - Spielspaß pur.

Der Original GBA und der RG351m im GrĂ¶ĂŸenvergleich

Ich stöbere noch ein wenig durch die mitgelieferten Spiele und bin angenehm ĂŒberrascht, wie flĂŒssig zum Beispiel Mario Kart DS lĂ€uft - damit hatte ich gar nicht gerechnet.

Die Original Firmeware ist nicht fĂŒr das Display optimiert - alle Spiele werden auf das 3:2 Display gestreckt, gerade bei Arcade-Spielen sieht das sehr ungewöhnlich aus. Hier muss ich noch optimieren, aber das mache ich dann mit dem ArkOS. Also schalte ich das GerĂ€t aus und wechsele die SD-Karte gegen die frisch erstellte ArkOS-Karte.

Erster Start mit ArkOS

Beim ersten Start von ArkOS muss zunĂ€chst die Partition fĂŒr die ROMs vergrĂ¶ĂŸert werden, danach startet sich das System neu und man befindet sich auch hier in einem ĂŒbersichtlichen MenĂŒ, unterteilt in die unterschiedlichen Systeme. Im Gegensatz zur Original-Firmeware sind hier nur ein paar Spiele im Ports-Verzeichnis vorinstalliert - ich versuche mich als erstes an den freien Leveln vom alten Wolfenstein 3D (da werde ich spĂ€ter die Vollversion aus meiner GOG Bibliothek installieren). Ebenfalls vorinstalliert sind unter anderem Celeste und Cave Story, die ich beide auch kurz anspiele.

Dann richte ich das WLAN ein und mache ein System-Update, das muss ich mit einem eingetippten OK bestÀtigen, dann werden die Update-Daten heruntergeladen und installiert, darauf folgt ein Neustart.

Jetzt mĂŒssen nur noch meine eigenen ROMs auf das System, also wieder die SD-Karte entnehmen und erneut an den PC anschließen. Dort habe ich nun ein Laufwerk EASYROMS in dem sich Unterordner fĂŒr die einzelnen Systeme befinden, eine detaillierte Übersicht befindet sich hier. In das bios Verzeichnis kopiere ich die BIOS-Dateien der Original-Firmware. ZusĂ€tzlich lege ich noch einige ROMs aus meiner Sammlung in die entsprechenden Verzeichnisse.

Der RG351m mit ArkOS

Nach einem erneuten Kartenwechsel kann ich nun meine Spiele auf dem Handheld spielen - die GBA Spiele laufen wie erwartet optimal, die anderen Emulatoren sind aber ebenfalls nicht an das 3:2 Display angepasst, da muss ich noch Hand anlegen - aber das macht ja gerade den Reiz eines solchen Systems aus.

Update: AmberELEC (vormals 351ELEC)

In der Zwischenzeit gab es fĂŒr AmberELEC ein großes Update auf Version 2.0 und es hat sich hier so viel getan, dass die Entscheidung fĂŒr ArkOS nicht mehr eindeutig ist.

Der erste Eindruck: AmberELEC ist deutlich aufgerĂ€umter als ArkOS, viele der Optionen, die man bei ArkOS innerhalb von RetroArch vornehmen muss sind direkt ĂŒber das Frontend EmulationStation erreichbar. Die Integration der Achievements ist hervorragend, Installation von Themes ist direkt integriert und die notwendigen Grafikeinstellungen fĂŒr die meisten Systeme sind bereits als Default hinterlegt.

Einzig der Zugriff ĂŒber das Netzwerk ist nicht ganz so komfortable wie bei ArkOS, es ist nur ein Zugriff ĂŒber ssh/sftp möglich, so dass ein direkter Zugang ĂŒber einen Web-Browser oder ĂŒber den Dateimanager von Windows nicht funktioniert. Wie es dennoch funktioniert, zeige ich hier.

Wenn man einfach nur Retro-Spiele ohne viel Konfiguration spielen möchte, ist AmberELEC das richtige System, gerade weil fĂŒr die meisten Systeme sinnvolle Voreinstellungen vorgenommen worden sind. Die Installation verlĂ€uft genauso einfach wie bei ArkOS: Das Image hier herunterladen, auspacken und mit dem Win32 Disk Imager auf eine passende SD-Karte schreiben. Danach die Karte erst einmal im Handheld starten, damit die Partitionen richtig angelegt werden. Dann wieder an den PC anschließen und wie gehabt BIOS-Dateien und ROMs in die entsprechenden Verzeichnisse kopieren.

Beim ersten Start von einem nicht GBA-Spiel fÀllt direkt das richtige SeitenverhÀltnis angenehm auf, so dass man sich hier direkt auf das Spielen konzentrieren kann. Schnelle Hilfe zu AmberELEC findet man auf dem Discord-Server des Projekts.

Ausblick

Jetzt heißt es die Konsole optimal einrichten und die anderen Möglichkeiten erkunden - insbesondere die Netzwerk-FunktionalitĂ€t, darauf werde ich in einem extra Artikel eingehen. Jetzt muss ich aber erst mal meine alten GBA-Spiele wieder spielen.

Inzwischen ist die Anbernic-RG351-Familie auf insgesamt vier Modelle angewachsen, einen Überblick ĂŒber die ganze Reihe gebe ich hier.

Technische Details RG351m

Technische Spezifikationen
Name RG351m
Hersteller Anbernic
CPU RK3326 4 Cores 1,3GHz (auf 1,5GHz ĂŒbertaktbar)
GPU Mali-G31 MP2
RAM 1GB
Display 3,5" 320x480 IPS
Akku 3500mAh
Abmessung (B x H x T) 15,2 x 7,1 x 1,8cm
Gewicht 260g
GehÀuse Aluminium
AnschlĂŒsse 2 x USB-C, 3,5 Audio Klinke
Verbindung WLAN
Farbe schwarz / silber
Betriebssysteme Linux basiert. Alternativen zur vorinstallierten Firmeware: AmberELEC, ArkOS und Batocera

*Partner-Link: Wenn du ĂŒber diesen Link etwas bei Amazon bestellst, bekomme ich dafĂŒr eine kleine Provision - bei gleichem Preis fĂŒr dich.


Changelog

2022-04-02: 351ELEC heißt jetzt AmberELEC.

2021-11-20: Link auf den RG351-Familien-Artikel hinzugefĂŒgt.

2021-03-28: Hinweis auf den Discord-Server von 351ELEC eingefĂŒgt.

2021-03-10: Link auf sshfs-Artikel hinzugefĂŒgt.

2021-02-27: Information zu 351ELEC in der Version 2.0 ergÀnzt.

2021-02-15: Hinweis auf VerfĂŒgbarkeit bei Amazon eingefĂŒgt.